Meine Gedanken zu Moorrege und der "Alten Schule Oberglinde"

 

Im Dezember 1953 wurde ich im Uetersener Krankenhaus geboren.

Damals wohnte meine Familie auf dem Glindhof. Allerdings ist das kein Vergleich zu heute.

Der Glindhof bestand nur aus drei Häusern. Den beiden Einzelhäusern im Wald, die heute noch stehen, und dem Haus im eingezäunten Bereich, das dem Schauspieler Hans Söhnker, (geb. 11. Oktober 1903, Kiel, gest. 20. April 1981, Berlin), gehörte.

Alles andere war Wald und Natur. Das ganze Industriegebiet gab es nicht. Für uns Kinder war es ein Paradies, so aufzuwachsen.

 

1960 sind wir in die heutige Kirchenstraße gezogen. Auch die hatte zu der Zeit keine Ähnlichkeit mit heute. Die Straße war ein Sandweg mit wenigen Häusern. Die ganze Bebauung zwischen Kirchenstraße und Voßmoor gab es noch nicht. Dort waren nur Wiesen. Vielleicht ganz vereinzelt mal ein Haus.

Gegenüber der Kirche gab es einen kleinen Berg, auf dem wir im Winter gerodelt sind.

Nur Bäckerei Eggers gab es schon.

 

Zur Schule ging ich in die Klinkerstraße, in die heutige Grundschule. Damals war es so geregelt, dass auf der rechten Seite der Turnhalle die jüngeren Kinder ihre Klassen hatten und auf der linken Seite die älteren Kinder. Die Schule ging bis zur Klassenstufe 9 und nannte sich Volksschule.

 

Ich habe Moorrege in vielen Facetten erlebt. Wir waren damals eine richtige Dorfgemeinschaft. Es gab noch „Kindergrün“ (das ganze Dorf wurde geschmückt) und ähnliche Veranstaltungen.

 

Aber, genau wie ich erwachsen wurde, ist auch Moorrege gewachsen. Moorrege hat die letzten Jahrzehnte einen enormen Zuwachs im Bereich Bebauung und glücklicherweise auch mehr Gewerbe bekommen. Es ist natürlich toll, wenn die Moorreger in Moorrege arbeiten können. Und auch für die Gemeinde ist es durch die Steuereinnahmen positiv.

 

Aber so langsam hat man das Gefühl, dass sich der Ort nicht nur positiv verändert. Die Gemeinde büßt immer mehr Grün, Natur, Dorfcharakter und Ruhe ein. Dadurch verliert der Ort seinen dörflichen Charme.

Das ist sehr schade.

 

Wer mich kennt weiß, dass ich direkte Nachbarin der „Alten Schule Oberglinde“ bin. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass so ein wunderbares Kleinod einfach vernichtet wird. Man hätte aus diesem Ort etwas machen können. Das alte Schulgebäude ist ein geschichtliches Gebäude, das man absolut erhalten sollte.

 

Die drei Wohnblöcke, die dort jetzt entstehen, passen absolut nicht in die örtlichen Gegebenheiten.

Aber durch die Bebauung nach $ 34 hat man entschieden, dass es passt.

 

Wie in der Presse zu lesen war, werden die jetzt schon gebauten Wohnungen teilweise als Eigentumswohnungen verkauft und von den neuen Besitzern wieder vermietet.

Also wurden / werden hier reine Kapitalanlagen geschaffen.

Durch die Vermietung ziehen dann sehr oft Auswärtige in diese Wohnungen, die Moorreger Familien und Senioren müssen wegziehen.

 

Ist das so der richtige Weg?

 

Vier Mietparteien haben in der „Alten Schule Oberglinde“ gewohnt. Viele in Moorrege sagen immer:

<< Die Mieter sollen nicht meckern, sie zahlen ja kaum Miete >>.

 

Naja, das stimmt so nicht ganz: die Mieter haben zwar eine niedrige Kaltmiete, aber durch die hohen Nebenkosten ist unterm Strich die Warmmiete genauso hoch wie bei anderen Wohnungen im Umfeld. In anderen Wohnungen ist nur die Kaltmiete höher und die Nebenkosten sind niedriger.

 

Zwei Mietparteien wohnen/wohnten dort schon weit über 40 Jahre! Die eine Mieterin musste mit Anfang 70 aus ihrem geliebten Umfeld wegziehen in dem sie seit ca. 45 Jahren wohnte. Auch die nachbarlichen und sozialen Kontakte hat sie so verloren.

Ihr wurde der Lebensmittelpunkt genommen. Jeder Senior oder jede Seniorin weiß, wie weh es tut, ab einem gewissen Alter sein zu Hause ohne Grund verlassen zu müssen!

Drei Mietparteien sind jetzt ausgezogen. Zwei nach Uetersen, eine Mieterin konnte in Moorrege bleiben.

Eine Familie wohnt jetzt noch in der „Alten Schule Oberglinde“.

 

Warum kann das Gebäude der „Alten Schule Oberglinde“ nicht erhalten bleiben?

 

Es heißt, die „Alte Schule Oberglinde“ ist marode! Aber es wurde nie ein Gutachten darüber vorgelegt. In den letzten Jahren ist von offizieller Seite niemand durch die Wohnungen gegangen oder hat sich den Zustand der Wände und Gemäuer angesehen.

Ein Architekt, den wir von der BI-Gegenwind gebeten haben, sich das Gebäude anzusehen, meinte, es wäre eine sehr gute Substanz vorhanden! Von marode ist nichts zu sehen.

Ein offizielles Gutachten in Auftrag zu geben kostet viel Geld, das haben wir einfach nicht.

 

Warum hat man den alten Schulhof nicht genutzt, um einen Dorfmittelpunkt für gemeinsame Treffen zu gestalten?

 

Warum werden hier jetzt Kapitalanlagen geschaffen, aber keine bezahlbaren Wohnungen für Moorregerinnen und Moorreger?

 

Warum muss die Natur vernichtet werden?

 

Haben unsere Politiker in Moorrege vergessen, wie wichtig die Natur für den Menschen ist?

 

Haben sie auch vergessen wie wichtig es ist, gerade in der heutigen Zeit, die geschichtlichen Hintergründe zu berücksichtigen?

 

Ist es wirklich nötig, dass Menschen aus ihrem Lebensraum vertrieben werden, um Wohnblöcke als Kapitalanlagen zu erstellen? Die (teuren) Wohnungen werden dann evtl. an Auswärtige vermietet, die Moorrege nur als Übernachtungsort sehen.

 

Ich bin von der Situation direkt betroffen, weil jetzt direkt vor meiner Haustür zwei Wohnblöcke entstehen und ich somit demnächst ca. 20 Familien als neue Nachbarn habe. Wenn ich auf meinem Nordbalkon stehe, werde ich einigen der zukünftigen Nachbarn gefühlt wohl direkt auf den Teller schauen können.

 

Vor 36 Jahren, als wir hier gebaut haben, hatten wir uns gerade wegen des dörflichen Charakters und der vorhandenen Natur für diese schöne Ecke entschieden.

Die Eichen und Linden haben für saubere Luft gesorgt und unseren Kindern im Sommer sehr viel Schatten beim Spielen gespendet.

 

Ich wünsche mir, dass es noch ein Wunder gibt und die „Alte Schule Oberglinde“ gerettet wird.

Die abgeholzten Bäume sind leider für ewig verloren.

 

Durch diese ganze Geschichte habe ich mich der Kommunalpolitik in Moorrege zugewandt.

Mein großes Anliegen ist unter anderem ein Gemeindeentwicklungsplan, damit solche Fehlentscheidungen nicht mehr getroffen werden.

 

Wenn Moorrege noch einen Rest dörflichen Charakter behalten will, muss eine genaue Planung, unter Mitsprache der Einwohnerinnen und Einwohner, bezüglich der zukünftigen Bebauung stattfinden.

 

Vielleicht hat ja noch jemand kurzfristige eine Idee, wie die „Alte Schule Oberglinde“ gerettet werden kann.

 

Ihre

Ute Tobuschat

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Kommentare: 1
  • #1

    Anke Laurentius (Mittwoch, 11 Juli 2018 08:20)

    Ich kann Euch gut verstehen und drücke die Daumen. Ist wirklich schade um den Platz , die Bewohner und die Bäume.
    Herzliche Grüße
    von Anke