Ortsentwicklungskonzept / Gemeindeentwicklungsplan

Zwei Begriffe - eine Bedeutung 

 

Ich habe mich für den Begriff Ortsentwicklungskonzept entschieden, also abgekürzt OEK  im Folgenden.

In der letzten Zeit wurde viel darüber diskutiert, ob ein OEK für eine Gemeinde interessant ist.

  

Ein OEK kann nur erstellt werden, wenn die Gemeindevertreter es möchten.

Die Kosten, die für die Erstellung anfallen, werden vom Land mit 75 % bezuschusst.

Die Gemeinde müsste dann noch 25 % der Kosten tragen.

 

Die CDU-Gemeindevertreter von Moorrege haben entschieden, dass so etwas in Moorrege nicht benötigt wird.

Die SPD war für ein OEK, die Grünen wollten sich noch mehr informieren.

Aber aufgrund des Mehrheitsverhältnisses durch die CDU ist der Plan für ein OEK abgelehnt.

Die Argumentation der CDU war nicht ganz verständlich und es hieß zum Schluss sinngemäß…

“so etwas brauchen wir hier nicht, das können wir allein“.

 

Da wir aber Bürger und Bürgerinnen sind, die alles etwas genauer wissen wollen, bin ich zum Bauamt Moorrege gegangen und habe mit Herrn Goetze gesprochen.

Ich wollte wissen, was ein OEK eigentlich genau bedeutet.

 

Warum überhaupt ein OEK?

Eine Gemeinde steht in der heutigen Zeit vor vielfältigen Aufgaben. Ein OEK ist sehr viel mehr, als nur eine Planung, die den Bereich Bauen betrifft.

 

In einem OEK geht es um:

  • Behutsames Bevölkerungswachstum, mit besonderem Augenmerk auf die gleichmäßige Auslastung der Infrastruktur (v. a. Grundschule, Kindergarten).
  • Infrastrukturelle Maßnahmen, um den Wohnwert für die in der Gemeinde lebenden Einwohner laufend zu verbessern.
  • Im Vordergrund steht weniger die quantitative, sondern die qualitative Entwicklung. „Innenentwicklung vor der Außenentwicklung“ als verbindliches Ziel für die Wohnbauentwicklung in den Gemeinden (siehe auch Landesentwicklungsplan Schleswig-Holstein 2010).
  • Den Bedarf für eine seniorengerechte Infrastruktur zu erfüllen.
  • Und vieles mehr.

 

Herr Goetze hat mir den Tipp gegeben, den OEK von Borstel-Hohenraden anzuschauen.

Der Ort Borstel-Hohenraden hat seit März 2017 ihren OEK fertiggestellt.

 

Also bin ich ins Internet und habe recherchiert:

 

Der Endbericht des OEK Borstel-Hohenraden besteht aus 97 Seiten und ich habe mich hier wirklich nur auf das Allernotwendigste beschränkt.

 

Wer sich genau informieren möchte, kann auf der Seite Borstel-Hohenraden alles detailliert nachlesen.

Für meine weiteren Ausführungen habe ich mich jetzt an dem OEK für Borstel-Hohenraden orientiert.

 

Falls Moorrege einen OEK erstellen will, müssen die Gegebenheiten von Moorrege angesetzt werden.

Wofür steht Moorrege zukünftig?  Ziele?   Leitbild?

 

Ziel eines OEK ist es, handlungsorientierte Lösungssätze für eine positive Zukunft der Gemeinde darzustellen.

 

Die Bearbeitungsspanne des OEK geht dabei von der Bestands- und Situationsanalyse über

das Aufzeigen der Entwicklungsmöglichkeiten bis hin zum Ausarbeiten von Umsetzungsvorschlägen.

 

Um dieses umzusetzen, muss der Prozess zur Erarbeitung eines OEK auf eine breite Basis gestellt.

Es sollte ein Planungsbüro für die professionelle Ausführung beauftragt werden.

 

In Borstel-Hohenraden wurde weiterhin eine Planungsgruppe mit Vertretern aus der Gemeinde gebildet.

Es gab Treffen der örtlichen Aktiven: Vertreter der Grundschule, von Sportvereinen, Freiwilliger Feuerwehr,

Kindergärten etc. Hier wurden lokales Wissen und gute Ideen erarbeitet, um eine tragfähige und

umsetzungsorientierte Ortsentwicklungsstrategie zu erarbeiten.

 

Um die Akzeptanz der Ergebnisse zu sichern und die Bewohnerschaft zu aktivieren, wurden Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung durchgeführt, die jeweils sehr gut besucht waren.

Die Bürger und Bürgerinnen konnten hier ihre Vorschläge und Meinungen äußern und schriftlich abgeben.

 

Ein OEK wird in verschiedenen Bereichen aufgebaut:

  • Bestandsbeschreibung:         Lage, Charakter, Elemente, Ortsbild
  • Rahmenbedingungen:           historisch, naturräumlich, baulich, planerisch
  • Dorfleben und Infrastruktur:   Vereine, Institutionen, Veranstaltungen
  • Demografische Situation:       Einwohner, Wohnungen, Haushalte
  • Zielkonzept :                           Wie soll sich der Ort entwickeln?

Planungs- und Entscheidungsgrundlagen waren dann die Ergebnisse dieser Analysen und Prognosen,

die Ergebnisse der gemeinsamen Treffen und die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung.

 

In ihren Schlussbemerkungen schreibt die Gemeinde Borstel-Hohenraden:

Nach ausführlicher Analyse entstand ein Maßnahmen- und Umsetzungskonzept mit den Themenschwerpunkten:

 

Wachsendes Dorf:

mit den Zielen Moderates Wachstum, Dörfliche Identität,

Infrastruktur

Lebendige Dorfmitte:

Stärkung Ortszentrum, Ergänzung der Räumlichkeiten,

Attraktive Mitte, Modernisierung, Gebäudebestand.

Wohnen für Alle:

Wohnraum für Jung und Alt, Bezahlbarer Wohnraum, differenzierte Wohnformen.

  

Der Eindruck, den ich gewonnen habe, ist ein klares Ja zu einem OEK.

Es geht hier nicht nur um die Bebauung des Ortes. Hier wird alles berücksichtigt.

 

Durch einen OEK in Moorrege würde man einen Überblick über die Struktur der Gemeinde bekommen.

Man könnte viel besser planen und mehr steuern, wo Gewerbe, wo Wohnbereich.

Wo ist der beste Platz für Seniorenwohnungen?

Wo für betreutes Wohnen?

Wie ist die Altersstruktur der Einwohner?

Steigt die Einwohnerzahl oder nicht?

Wie funktioniert der Generationswechsel von Altimmobilien?

Sind für die Zukunft genügend Kapazitäten in Kindergärten und Schulen vorhanden?

Was fehlt an kulturellen Aktivitäten im Dorf?

Kann kulturell mehr für Senioren und Jugendliche getan werden?

 

Das sind alles Punkte, die in einem OEK besprochen werden.

 

Ganz wichtig:

Der OEK bedeutet auch NICHT (wie ja immer in den Raum gestellt wird), dass Bürger und Bürgerinnen

nicht mehr frei über ihre zu verkaufenden Grundstücke bzw. ihr Wohnungseigentum entscheiden können.

Das ist falsch! Das können sie weiterhin!

 

Ein OEK ist nicht rechtsverbindlich. Er ist einfach nur ein sehr guter Leitfaden!

 

Ein OEK ist auch nach einem Jahr nicht wieder ungültig, weil sich alles ändert.

(Die Argumentation wird immer wieder vorgebracht). Er würde auf dem Bestand von Moorrege aufgebaut werden und dieser Bestand (z.B. die Schule, das Ärztehaus, die Kirche, die B 431 usw.) ist in einem Jahr

noch genauso vorhanden.

 

Aber mit einem OEK können geplante Vorhaben für die Zukunft sinnvoll gestaltet werden.

 

Gez. Ute Tobuschat

Oktober 2017